Die Legende vom „Smok Wawelski“ (dem Waweldrachen) und der Drache in der Literatur im Allgemeinen


Die Legende vom Waweldrachen

In Krakau versetzte ein Drache die Bevölkerung in Angst und Schrecken – er stahl Tiere von den Weiden und auch einige Menschen kehrten nach einem Spaziergang nicht wieder nach Hause zurück.

Ein beherzter Handwerksbursche entdeckte das Versteck des Waweldrachens am Flussufer, eine Öffnung in der Wand des Wawelfelsens. Der Jüngling berichtete im Dorf über seine grausige Entdeckung und beschrieb den feuerspuckenden Drachen mit seinen glänzenden Schuppen, den scharfen Stacheln und den riesigen Zähnen bis ins Kleinste. Auch Fürst Krak ließ sich von dem Jungen berichten. Alsdann versammelte er seine tapfersten Ritter und schickte die tapfersten unter ihnen los, um den Drachen zu töten. Als die Gesandten auch nach vielen Tagen nicht zurückkehrten, ließ Fürst Krak verkünden, dass der wagemutige Held, welcher den Drachen töten würde, die Tochter des Fürsten zur Frau und das halbe Königreich bekommen sollte.

Viele Fürsten und Ritter von nah und fern versuchten, den Drachen zu besiegen, doch keinem gelang es.

Eines Tages verlangte ein Junge nach einer Audienz. Er sei zwar nur ein einfacher Schuster, aber er wolle es mit dem Drachen aufnehmen. Er erbat sich lediglich den größten Schafbock, der im Königreich aufzutreiben war. Diesem zog er das Fell ab und füllte das Tier mit Pech und Schwefel. Den ausgestopften Schafbock warf er vor die Höhle des schlafenden Drachen.

Am nächsten Morgen wurden die Bewohner des Landes von einem furchtbar lauten Knall geweckt. Nachdem der Drache den ausgelegten Köder gierig aufgefressen hatte, begannen Pech und Schwefel an seinen Eingeweiden zu brennen und der Drache wollte mit Weichselwasser seinen brennenden Durst löschen. Er soff soviel Wasser aus dem Fluss, dass er schließlich platzte und mit einem lauten Knall in Tausend Stücke flog.

Fürst Krak hielt Wort und der Schusterjunge bekam die Prinzessin zur Frau und wurde reichlich belohnt. Die Drachenhöhle ist erhalten geblieben und kann heute noch im südwestlichen Teil des Wawelhügels besichtigt werden. Seit einiger Zeit spuckt die dort montierte Drachenskulptur sogar Feuer…. nachdem man eine SMS an eine bestimmte Nummer sendet…

Der Drache in der Literatur

Die Geschichten und Darstellungen von Drachen in der Literatur sind wesentlich älter als das, was heute als westlicher Kulturkreis bekannt ist, da vermutlich die Dinosaurier als Vorlage dafür dienten. Die Drachenbilder der einzelnen Kulturen beeinflussten sich wechselseitig und das seit frühester Geschichte an. Oft wird ein Drachenkampf dargestellt als ein Kampf zwischen Gut und Böse, z.B. Siegfried gegen Fafnir, Apollo gegen Python, Herakles gegen Hydra, Zeus gegen Typhon, Endkampf zwischen Gott und Drache (Schlange in der Bibel), also ganz allgemein: Ein „guter Held“ gegen eine „böse Kreatur“.

Wofür steht der Drache?

Der Drache steht häufig allerdings nicht nur für das Böse als solches, sondern ist gleichermaßen auch ein Symbol für das Chaos und für die vom Menschen bereits überwundenen Urmächte. Oft wird in der psychologischen Deutung der Drache mit den vom Menschen nicht überwundenen Urängsten in Verbindung gebracht, möglicherweise um eine Erklärung für rational nicht fassbare Ängste zu erhalten. Im psychologischen Ansatz von Carl Gustav Jung gelten Drachen in Träumen, Sagen, Mythen und Märchen als negative Ausprägung des sog. „Mutterarchetyps“, das heißt, der alles verschlingenden, zerstörenden Mutter (Natur). (Möglicherweise stammt hier auch die Bezeichnung „Drache“ für einen bestimmten Typ Frau her.)

Drachenorte und Drachenhorte

Sowie in jeder Kultur Mythen und Sagen existierten und existieren, so besitzt auch jede Kultur Orte, die sie mit ebendiesen Überlieferungen verbinden. In jedem Land gibt es mythologische Orte, an denen sich diese Geschichten zugetragen hatten bzw. zugetragen haben sollen. Als Beispiele für Drachenhorte wären hier zu nennen: Lemberg, Ljubljana, Krakau,…. .

Darstellungsformen von Drachen

Genauso unterschiedlich wie die Drachengeschichten selber ist auch ihre Verarbeitung in der Literatur. Sie werden beispielsweise in religiösem Sinne rezitiert, sehr bekannt ist der Drache/die Schlange im Christentum (heiliger Georg). Eine andere Darstellungsform ist das Märchen, vor allem die russischen Märchen bieten eine Fülle von drei-, neun- und zwölfköpfigen Drachen. Es gibt weiterhin Drachendarstellungen in der modernen Fantasy-Literatur bis hin zum „niedlichen“ Drachen (Ausnahme), sowie auch Sagen, die nicht nur zur Unterhaltung überliefert wurden, sondern auch Erklärungen für bestimmte Dinge geben sollten (z.B.: Wie kommt die Höhle in den Felsen?). Je nach Darstellungsart werden hierbei verschiedene Stilelemente verwendet, allerdings wird dadurch die traditionelle Bedeutung des Drachen in der jeweiligen Kultur verfälscht oder geht ganz verloren.

Auch in der Beschreibung, wie denn so ein Drache überhaupt aussieht, weichen die Kulturen stark voneinander ab. So werden manche Drachen mit mehreren Köpfen beschrieben, andere haben riesige Tatzen, die meisten haben Schuppen, andere besitzen Hörner, viele können fliegen, fast alle spucken Feuer und sie sind gefährlich und müssen durch einen Helden zur Strecke gebracht werden. Manche werden so beschrieben, wie man sich gemeinhin Dinosaurier vorstellt, andere werden als schlangenartige Kreatur dargestellt, diese werden dann meist „Lindwurm“, „Tatzelwurm“ oder eben übergreifend einfach „Drache“ genannt.