Jagiellonen-Universität in Krakau


Krakaus Universität hat im europäischen Bildungswesen eine lange Tradition.

1364 gründete der polnische Könige Kasimir der Große (poln.: Kazimierz III Wielki) die Krakauer Akademie (Akademia Krakowska). Aus ihr entwickelte sich die Krakauer Universität als älteste polnische Universität. Wäre da nicht die Universität von Prag (1348), so wäre die Jagiellonen-Universität in Krakau sogar die älteste in Mitteleuropa.

In ihren Anfängen gab es lediglich drei Fakultäten: Philosophie, Rechtswissenschaft und Medizin. An vielen Universitäten war die theologische Fakultät ebenfalls vertreten. Nicht so in Krakau: Papst Urban V. gestattete die Aufnahme der Theologie als „höchste“ Disziplin nicht. Nach dem Tod König Kazimierz des Großen im Jahre 1370 wurde die Universität zunächst wegen mangelnden Interesses seines Nachfolgers geschlossen.

Erst im Jahre 1400 kam es durch die Initiative von Wladislaw III und Jadwiga zu einer Wiedereröffnung der Universität. Diesmal war auch die Theologie dabei, die Universität verfügte fortan über vier Fakultäten. Diese waren als hierarchisches System zu sehen, die Theologie stand an deren Spitze.

Das „goldene“ Zeitalter

Die Universität konnte sich in der akademischen Welt etablieren und behaupten. Neue Fakultäten und Fächer kamen hinzu, vor allem die Dazunahme der Fakultäten für Mathematik und Astronomie sowie der Alchemie im 15. Jahrhundert sorgte für einen regelrechten Schub. Viele berühmte Wissenschaftler verließen als Absolventen die Universität von Krakau, ein bekanntes Beispiel ist Nikolaus Kopernikus.

Der hohe akademische Stand der Universität sowie deren immenser Bekanntheitsgrad führte auch zu internationaler Beachtung und in der Folge dazu, dass die Jagiellonen-Universität im 15. Jahrhundert auch weit über die Landesgrenzen hinaus als Zentrum der Wissenschaft bekannt wurde und Studenten aus vielen Ländern anzog.

Auf dem absteigenden Ast

Der Abstieg für die Universität kam im 17. Jahrhundert, als ihr akademischer Status im In- und Ausland sank. Häretische Schriften wurden entfernt, einige Wohnheime wurden geschlossen.

Die meisten Studenten waren nun aus Polen oder Litauen, Aus dem Ausland kamen nun kaum mehr welche. Generell sanken die Studierendenzahlen, denn auch viele polnische Studenten gingen lieber zum Studium ins Ausland. Als Gegenmaßnahme wurde ein Netzwerk von Akademien eingerichtet, um einen weiteren Abstieg zu verhindern.

Das 18. Jahrhundert und seine Reformen

Rektor Hugo Koltaj (1750–1812) sorgte für tiefgreifenden Reformen in der Universität. Eine eine neue Organisationsstruktur wurde eingeführt und einige neue Fakultäten gegründet. Weiterhin baute er Kliniken und Laboratorien, richtete ein astronomisches Observatorium ein und legte einen botanischen Garten an. Das Polnische ersetzte nun das Lateinische als Lehrsprache. Außerdem wurden Deutsch und Französisch gelehrt.

Der Aufschwung ließ nicht lange auf sich warten. Die Universität kam zu neuer wissenschaftlicher Bedeutung und Anerkennung innerhalb der akademischen Landschaft, es gab dreimal so viele Lehrstühle wie zuvor. Gleichzeitig bekam die Hochschule den Namen „Jagiellonische Universität“. Vor dem ersten Weltkrieg waren über 3.000 Studenten an 97 Lehrstühlen eingeschrieben, 1897 kamen auch die ersten Studentinnen dazu.

Das 20. Jahrhundert

Als Polens 1918 unabhängig wurde, kamen zu den beiden bereits bestehenden Universitäten im Land noch weitere drei hinzu, Krakau blieb aber dennoch an der Spitze. Das war der rasanten Entwicklung der Universität geschuldet – klinische Einrichtungen, Bibliotheken und neue Lehrstühle wurden eingerichtet, die Weiterentwicklung der Universität wurde dynamisch vorangetrieben.

Aber es gab auch finanzielle Einschränkungen im Bildungsbereich durch die Wirtschaftskrise von 1930 bis 1934. 1933 mussten gleich fünf Lehrstühle eingespart werden. Politische Streitereien der Studenten arteten oft in Gewalt aus. Dennoch konnte die Universität ihren hohen Rang aber behaupten und hielt ihren guten Ruf.

Die „Sonderaktion Krakau“ im Nationalsozialismus war ein schwarzer Tag in der Geschichte der Universität. Am 6. November 1939 wurden 183 Personen von der Gestapo verhaftet. Es handelte sich bei den Festgenommenen ausschließlich um polnische Professoren und Mitarbeiter der Universität. Gleichzeitig wurden etliche Schätze der Universität konfisziert. Der Lehrbetrieb musste im Untergrund weitergeführt werden, da er im Zuge der „Sonderaktion Krakau“ untersagt worden war.

1945 erst konnte der reguläre Lehrbetrieb mit ca. 5.000 Studenten wieder aufgenommen werden. Der universitäre Alltag fand langsam wieder Einzug, auch wenn im Stalinismus 1948 bis 1956 jedes Detail im universitären Leben genauestens überwacht und kontrolliert wurde. Das Angebot der Hochschule konnte erneut weiter ausgebaut werden und beherbergte weitere Lehrstühle wie die Biologie und Zoologie, die Geologie und die modernen Sprachen.

Die Universität heute

Die Universität in Krakau ist heute keine reine Campus-Universität. Überall in der Stadt verteilt hat die Universität ihre Gebäude. Die Studentenzahlen sind im Zuge der Internationalisierung nach oben gesprungen, den ausländischen Studenten kommt zugute, dass viele Veranstaltungen in englischer Sprache angeboten werden. Für Sommergäste gibt es eine Sommerakademie für polnische Sprache und Kultur (die ist übrigens wirklich empfehlenswert).