Klöster in Moskau


Aus dem Mittelalter stammen die meisten Klöster Moskaus, wenngleich sie mittlerweile größtenteils restauriert wurden. Dennoch sind sie Zeitzeugen einer bewegenden Vergangenheit und lassen uns einen Blick auf vergangene Zeiten werfen.

Klöster in alten Chroniken

Vieles, was wir heute über Moskaus Klöster wissen, haben wir aus der Nikonchronik. Aus ihr erfahren wir einiges über die Klöster in Moskau vom Aufstieg Moskaus zum Großfürstentum im Jahre 1340 bis zum Ende der Großfürstenzeit (1547, Ende der Großfürstenzeit und Abschluss der Nikonchronik). Sie basiert auf mehreren anderen Quellen und Chroniken, vorrangig auf der Novgoroder Chronik, der Simeon.Chronik und Teilen der Iosaf-Chronik. Diese Quellen wurden teilweise nur abgeschrieben, andere auch ergänzt. Die Patriarchenchronik aus dem 16. Jahrhundert ist eine der bekannteren Abschriften und führt über 20 Klöster in Moskau auf, vorrangig Männerklöster. Einige heute sehr bekannte Klöster (z.B. das Voskresenskijkloster, das Kloster der heiligen Kosmas und Damian, das Donkloster, das Neujungfrauenkloster) entstanden erst nach dem Ende der Chronik 1547 und sind somit natürlich nicht darin genannt.

Bedeutung von Klöstern

Jedes Kloster seine eigene Bedeutung und spielt eine eigene Rolle sowohl in der Geschichte als auch in der Politik. Die politische Funktion und Stellung war mit der Stellung des Klosters verbunden. Die Vorsteher der Klöster (Äbte, Fürsten und Metropoliten) waren oftmals auch mit politischen bzw. diplomatischen Missionen betraut und schrieben mit ihrem politischen Einfluss auch Kirchengeschichte. Sogar während der Tartarenherrschaft wurden Klostertraditionen nicht nur bewahrt, sondern sogar neue Kloster gegründet. Wie ein Fels in der Brandung überstanden sie schwere Zeiten, sogar im wörtlichen Sinne, denn sofern sie aus Stein gebaut waren, trotzten sie oft auch Bränden, von denen gerade Moskau in seiner Geschichte oft betroffen war.

Stadtplanung

Klöster waren auch in der Städteplanung von großer Bedeutung. Da die meisten von ihnen Stifterklöster waren, dienten sie den Interessen der Stifter und diese Interessen waren seltener religiöser, sondern vielmehr militärischer Natur. Vom Ivan-Velikij-Glockenturm im Kreml aus konnte man alle anderen Klöster sehen. Er war quasi der Fixpunkt inmitten einer Art „Klosterring“, dessen einzelne Bauten maximal 5 Kilometer auseinander lagen, so dass man von einem Kloster aus immer noch das nächstgelegene sehen konnte. So entstand ein Befestigungsring rund um die Stadt und waren Bestandteil des Verteidigungssystems. Das Danilovklosterm das Novospasskijkloster, das Donkloster, das Simonovkloster und das Andronikovkloster wurden außerhalb dieses Befestigungsringes angelegt und dienten als Befestigungsvorposten.

Die Anlage der inneren Elemente in den Klosteranlagen ist eher zufällig. Die Hauptkirche liegt meistens zusammen mit dem Refektorium zentral in der Mitte der Anlage, die Mönchszellen oft entlang der Mauer. Ansonsten gibt es wenig Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Klöstern.

Gründungszeit

Bis zum 15. Jahrhundert war die Bauzeit der Moskauer Klöster, fast alle wurden bereits im 16. Jahrhundert umgebaut oder erweitert. Nur das Neujungsfrauenkloster (1524) und das Donkloster (1591) sind etwas später entstanden. Diese beiden schlossen die Lücke im Befestigungsring im Süden der Stadt, wo es bis dahin außer dem Danilovkloster kein bedeutendes anderes Kloster gab und die Stadt dort dem Risiko von Tartareneinfällen ausgesetzt war.
Außer dem Donkloster wurden die meisten anderen Klöster noch im Großfürstentum Moskau gegründet. Wenige entstanden im Russischen Zarenreich und damit nach der Nikonchronik. Alte Stadtpläne aus dieser Zeit (um 1600) geben keinen Aufschluss über die Lage der Klöster. Erst 1739 wurden in einem Plan des Architekten Ivan Miurin ein großer Teil der Klöster aufgeführt. Eine mögliche Begründung über die vorherige spärliche Berichterstattung wäre, dass man Unbefugten und Feinden so wenig Anhaltspunkte wie möglich über die Lage der Wehranlagen geben wollte. Die Größe eines Klosters wurde nach den Sloboden gemessen. Damit waren die Wohnsiedlungen der Klosterleute und des Personals gemeint (inkl. der zugehörigen Bauern und der Handwerker), die meistens in geographischer Nähe zum Kloster angesiedelt waren.

Von Holz zu Stein

Die meisten Klöster waren in ihrer Entstehungszeit noch Holzbauten. Später wurden Umbaumaßnahmen ergriffen, welche die hölzernen Konstruktionen durch steinerne ersetzten. Diese Maßnahmen wurden von innen nach außen umgesetzt, als erstes waren die Kirchen und Refektorien an der Reihe. Erst später (etwa ab dem 17. Jahrhundert) wurden auch die Außenmauern und Festungstürme durch Steinbauten ersetzt, denn bis dahin hatte lediglich das Simonov-Kloster schon steinerne Befestigungen.

Die Umbauten waren zunächst pragmatischer Natur, die Anlagen sollten haltbarer und wehrfähiger sein. Nachdem die Klöster im 17. Jahrhundert ihre strategische und militärische Bedeutung weitgehend verloren hatten, wandelte sich der Blick auf die Klöster und es trat mehr der malerische und architektonische Aspekt in den Vordergrund. Stein wurde beispielsweise unter ästhetischen Gesichtspunkten ausgesucht und verarbeitet, weißer Stein war ein besonderer Schmuck, den man auch heute noch häufig an Moskaus Klöstern sieht.

Aus manchen Klöstern wurden später Pfarreien oder sie wurden durch kirchliche Einrichtungen oder Feudalherren finanziert. Einige verschwanden komplett. Unter Peter I und unter Anna Iwanowna (Ende 17. bzw. Anfang/Mitte 18. Jhdt.) wurde das Mönchtum unterdrückt, da es „fremde Arbeit verzehrte“, die Kirche in den Staat eingegliedert. Später zu Katharina II Zeiten war die Anzahl der Klöster in Moskau auf nur noch 25 gesunken, Anfang des 20. Jahrhunderts waren es gar nur noch 20.

Die Mönche und das Mönchtum

Ein Gesetz von 1764 verursachte die Säkularisierung des Klosterbesitzes. Fortan wurden die Klöster in unterschiedliche Klassen eingeteilt, je nach Klasse erhielten sie unterschiedliche Rechte und geldliche Zuwendungen. Das Novospasskij-, das Simonov-, das Voznesenie- und das Neujungfrauenkloster gehörten zur ersten und der am besten ausgestatteten Klasse. Der zweiten Klasse gehörten sieben Klöster an, der dritten Klasse weitere acht. Einige gehörten zu keiner Klasse und erhielten somit keinerlei Etat. Ein Erlass von 1701 machte den Klöstern zudem die Auflage, wohltätige Aufgaben wahrzunehmen. Daher findet man in unmittelbarer Nähe zu den Klöstern oft noch Spitäler und Armenhäuser. Die kirchlichen Güter gelangten 1738 unter staatliche Verwaltung, bevor sie 1764 in staatliches Eigentum übergingen.

Überalterung der Mönche bei gleichzeitig wenig geistlichem Nachwuchs, interne Streitigkeiten, Seuchen und Krankheiten dezimierten die Anzahl der Mönche bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erheblich. In der Folgezeit erfuhr das Mönchtum in Moskau wieder etwas mehr Zulauf. Die Bevölkerungszahlen stiegen generell und nach Aufhebung der Leibeigenschaft im Jahre 1861 stand es jedem frei, in ein Kloster eintreten zu können. Die Lebensform in Moskaus Klöstern sah kein Privateigentum vor, wohl aber gemeinsames klösterliches Leben unter festgelegten Regeln. Die meisten Moskauer Klöster waren reine Männerklöster, gemischte Nonnen- und Mönchsklöster wurden bereits im ausgehenden 16. Jahrhundert abgeschafft.